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17.08.2017

WEMAG-Batteriespeicher testet erfolgreich Schwarzstart nach Blackout

Freuen sich im Batteriespeicher über den Erfolg der Phase 1 WEMAG-Projektkoordinator Tobias Struck mit seinem Team sowie den Mitarbeitern von Younicos und der Universität Rostock Foto WEMAG Stephan Rudolph-Kramer
Freuen sich im Batteriespeicher über den Erfolg der Phase 1: WEMAG-Projektkoordinator Tobias Struck (li) mit seinem Team sowie den Mitarbeitern von Younicos und der Universität Rostock. © WEMAG/Stephan Rudolph-Kramer

Projektpartner wollen innovatives Schwarzstartkonzept zur Marktreife bringen

Schwerin, 14.08.2017. In einem bislang einzigartigen Versuch ist in der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns der Wiederaufbau des abgeschalteten Stromnetzes mit Unterstützung durch ein Batteriekraftwerk in Kombination mit einer Gasturbinen-Anlage in Schwerin-Süd erfolgreich getestet worden.

Dazu wurde zunächst eine Netzinsel zwischen der Gasturbinen-Anlage der Stadtwerke Schwerin, drei Umspannwerken der WEMAG Netz GmbH und dem vom Berliner Speicherpionier Younicos entwickelten schwarzstartfähigen WEMAG-Batteriekraftwerk in Schwerin-Lankow geschaffen. Während des mehrstündigen Versuchs waren keine Verbraucher mit diesem abgeschlossenen Stromnetz verbunden. Diese wurden über andere Leitungen versorgt. Nach dem Aufbau der Netzinsel wurde mit Hilfe des Batteriespeichers die abgeschaltete Gasturbinen-Anlage erfolgreich wieder in Betrieb genommen.

„Der WEMAG-Batteriespeicher hat bewiesen, dass er für den Wiederaufbau des Stromnetzes nach Großstörungen oder einem Blackout sorgen kann. Bislang wird hierfür rein konventionelle Kraftwerkstechnik verwendet“, sagt Caspar Baumgart, Vorstand der WEMAG.

„Der Test beweist eindrucksvoll die zentrale Bedeutung von netzbildenden Batteriekraftwerken für das Energiesystem der Zukunft“, ergänzt Stephen L. Prince, CEO von Younicos. “Und er zeigt wie reibungslos unsere intelligente Software im Ernstfall den Versorgungsaufbau steuert“.

Im Falle einer Großstörung bis hin zum vollständigen Ausfall des Übertragungsnetzes müssen die Betreiber von Erzeugungseinheiten und Stromnetzen zusammen die Wiederherstellung der Stromversorgung in den von ihnen betriebenen Netzen koordinieren. Bei einem mehrtägigen Blackout wären in Mecklenburg-Vorpommern erhebliche Schäden an der gesamten Infrastruktur und Probleme bei der Grundversorgung der Bevölkerung zu erwarten.

„System- und Versorgungssicherheit in unserem Land haben oberste Priorität. Der großflächige Totalausfall des Stromnetzes ist deshalb sehr unwahrscheinlich - für den Fall der Fälle wollen wir im Land aber gewappnet sein und sind deshalb dankbar, dass wir mit dem Batteriespeicher eine neue Chance eröffnen können, im schlimmsten Fall das Stromnetz Stück für Stück wieder hochzufahren. Das Risiko der Schäden durch Blackouts kann durch die innovativen Schwarzstart- und Netzwiederaufbaumethoden deutlich verringert werden. Der WEMAG-Batteriespeicher leistet durch seine Schwarzstartfähigkeit einen erheblichen Beitrag dazu. Weitere Tests mit verschiedenen Konfigurationen und unter Einbeziehung der Erneuerbaren Energien können nun folgen“, sagt Christian Pegel, Minister für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Systemdienstleistung „Versorgungswiederaufbau“ wird nicht nur von Netzbetreibern, sondern auch von der Industrie benötigt, um einen langandauernden kostenintensiven Produktionsausfall zu vermeiden.

Neben der WEMAG AG, der WEMAG Netz GmbH und der Batteriespeicher Schwerin GmbH & Co. KG waren an dem Test die Energieversorgung Schwerin GmbH & Co. Erzeugung KG, das Institut für Elektrische Energietechnik der Universität Rostock und die Younicos AG Berlin beteiligt.

„Das von uns entwickelte Szenario, dass es möglich ist, mit dem Batteriekraftwerk eine Gasturbine anzufahren und das Inselnetz zu synchronisieren, hat sich vollends bestätigt“, freute sich Manfred Krüger, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Rostock.

Nach dem erfolgreichen Abschluss von Phase 1 soll das Projekt, das unter dem Titel „Kickstarter“ zur Marktreife gebracht werden soll, im nächsten Jahr fortgesetzt werden. Dann ist geplant, das Stromnetz mit Hilfe des schwarzstartfähigen Batteriekraftwerks unter Einbeziehung von Erneuerbare-Energien-Anlagen aufzubauen. Zudem soll die autarke Versorgung der aufgebauten Netzinsel über einen längeren Zeitraum bis zur Synchronisation mit dem Verbundnetz praktisch getestet werden. Das innovative Schwarzstartkonzept wird von der Förderinitiative „Zukunftsfähige Stromnetze“ des Bundeswirtschaftsministeriums gefördert.

 

Unternehmensbeschreibungen:

Über die WEMAG
Die Schweriner WEMAG AG ist ein bundesweit aktiver Öko-Energieversorger mit regionalen Wurzeln und Stromnetzbetrieb in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Zusammen mit der WEMAG Netz GmbH ist sie für ca. 15.000 Kilometer Stromleitungen verantwortlich, vom Hausanschluss bis zur Überlandleitung. Das Energieunternehmen liefert Strom, Gas und Netzdienstleistungen an Privat- und Gewerbekunden. Regionale Verbundenheit, Umweltschutz und Nachhaltigkeit bestimmen das Handeln der WEMAG AG. Die WEMAG AG leistet erhebliche Investitionen in erneuerbare Energien, berät zu Fragen der Energieeffizienz und bietet die Möglichkeit der Bürgerbeteiligung über die Norddeutsche Energiegemeinschaft eG. Die WEMAG AG befindet sich seit Januar 2010 im Mehrheitsbesitz der Kommunen ihres Versorgungsgebietes.

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Über Younicos
Younicos ist ein weltweit führender Anbieter von intelligenten Netz- und Energiespeicherlösungen. Unsere Kunden profitieren von fachlicher Kompetenz, kommerziellem Know-how und umfassender Erfahrung aus weltweit 40 Energiespeicherprojekten mit einer installierten Gesamt-Speicherkapazität von 200 Megawatt. Das Unternehmen wurde 2005 in Berlin gegründet und gehört seit Juli 2017 zum weltweit tätigen Energiedienstleister Aggreko. Derzeit beschäftigt es rund 130 Experten für Energiespeicherung. Weitere Informationen erhalten Sie auf www.younicos.com und wenn Sie uns auf LinkedIn und Twitter folgen.

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Über die Universität Rostock (Lehrstuhl für Elektrische Energieversorgung)
Der Lehrstuhl für Elektrische Energieversorgung an der Universität Rostock befasst sich mit Berechnungen zur europäischen Kraftwerkseinsatzplanung sowie Lastfluss- und Stabilitätsberechnungen im ENTSO-E-Netz unter Berücksichtigung heutiger und zukünftiger regenerativer Einspeisungen. Auf der Grundlage dynamischer Netzmodelle werden die technischen Aspekte des liberalisierten Strommarktes, die Netzregelung sowie die Möglichkeiten und Grenzen des Verbundbetriebes untersucht. Der Fokus bei den Untersuchungen zur Systemstabilität steht dabei auf dem Zusammenwirken von zentralen und dezentralen Erzeugungsanlagen im Verbundnetz. Für den Fall einer Großstörung im elektrischen Versorgungsnetz können mit dem realitätsnahen dynamischen Netzmodell auch verschiedene Szenarien eines realen Versorgungswiederaufbaus unter technischen Gesichtspunkten analysiert werden.

Ansprechpartner Universität Rostock 
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Die Stadtwerke Schwerin sind ein kommunales Querverbundunternehmen mit der Verantwortung für die Energie- und Wasserversorgung der Landeshauptstadt Schwerin. Ebenso agieren die SWS bundesweit im Strom- und Gasvertrieb. In Schwerin umfasst das Aufgabenspektrum unter anderem die Erzeugung und Verteilung von Strom, Gas und Wärme an die Schweriner Haushalte und Wirtschaft. Besonderes Augenmerk legen die Schweriner Stadtwerke auf die Nutzung regenerativer Energien sowie die Förderung von Projekten des Umwelt- und Klimaschutzes. Das Unternehmen wurde 1991 gegründet und beschäftigt in der Unternehmensgruppe gegenwärtig mehr als 700 Beschäftigte und Auszubildende. Die EVSE ist ein 100%iges Tochterunternehmen der Stadtwerke Schwerin GmbH.

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