Die Kirche im Dorf lassen

Freiwilliges Engagement hilft, sehenswertes Dorfensemble zu erhalten

Gemeindehaus und Kita Warlitz klein für Internet
Gemeindehaus und Kita im Dorfzentrum © Amt Hagenow-Land

Eine Kirche gibt es fast in jedem Dorf. Wer aber hat schon eine, die 1768 eigentlich als eine Art Kapelle errichtet wurde und über Jahrhunderte ihren ursprünglichen Stil erhalten konnte? Die Warlitzer verfügen über ein solches barockes Kleinod und sie verfügen über eine Vielzahl engagierter wie interessierter Menschen, denen es am Herzen liegt, Historisches zu bewahren. „Das gilt nicht nur für die Kirche“, freut sich Bürgermeister Peter Holm. Fast das gesamte Ensemble im Dorfmittelpunkt konnte, Dank großzügiger Förderung und privater Initiative, denkmalschutzgerecht saniert und als Treffpunkt für alle rund 425 Einwohner der Gemeinde erhalten werden.

Kindergarten, Gemeinderäume und die Feuerwehr haben gleich neben der Kirche ihr Domizil. Gegenüber wurde eine alte Tagelöhnerkate als Heimatstube eingerichtet. „Wir versuchen für uns wichtiges Kulturgut für die Nachwelt anschaulich darzustellen. Gleichzeitig sehe ich in solchen Vorhaben einen Weg, unsere Mitbürger aus dem Ortsteil Goldenitz mit einzubeziehen. Dort gibt es beispielsweise eine Menge alter Fotos, die über das Leben vergangener Zeit in den Gutsdörfern Zeugnis ablegen“, sagt Peter Holm.

Wie schwer es ist, solche Informationen zu erhalten, haben auch die Mitglieder des im Jahr 1999 gegründeten Fördervereins Barockkirche Warlitz e.V. erfahren. Die Bauunterlagen fanden sich nach langer akribischer Suche beispielsweise in Wolfenbüttel. „In der Wendezeit war bereits das Dach des sakralen Bauwerks neu gedeckt worden, doch niemand hatte einen Blick auf die Statik gerichtet“, erinnert sich Gisela Vogel, die Vorsitzende des Fördervereins. Die schwere Last drohte die Mauern auseinanderzudrücken, das Gebäude wurde baupolizeilich gesperrt und drohte dem Verfall preisgegeben zu sein. Das wollten die Warlitzer nicht hinnehmen und machten sich in Eigeninitiative daran, auszubessern, wo es nur ging. „Das ging natürlich nicht. Die Kirche zeigte Interesse, der Förderverein wurde ins Leben gerufen und damit eine Möglichkeit eröffnet, breite Unterstützung einzuwerben“, sagt Gisela Vogel. „Es war ein glücklicher Umstand, dass sich neben etlichen Einwohnern auch kunsthistorisch interessierte und versierte Menschen unserem Anliegen zum Erhalt der Barockkirche angeschlossen haben. Aus ganz Deutschland haben wir Hilfe bekommen, von Stiftungen, aber auch von privaten Förderern“, berichtet Wolfgang Vogel. Die Zahl der Mitglieder wuchs schnell, aus einst 17 Aktiven wurden bis heute mehr als 50.

Nach und nach kam die Sanierung in Gang, Wände bekamen Putz und frische Farbe. Die Orgel, gebaut von Johann Georg Stein, erhielt neuen Glanz. Die originalgetreue Uhr schlägt längst wieder regelmäßig. 2011 konnte das Glockengeläut – im Zweiten Weltkrieg ausgelagert – ergänzt werden. Die Barockkirche ist wieder sehenswerter Mittelpunkt des Dorfes und dort wird gern gefeiert. „Dorffeste ziehen hunderte Besucher an, sogar das Landespolizeiorchester spielte hier mehrfach auf“, sagt der Bürgermeister voller Stolz. „Ich bin sehr froh, dass wir auch die dorfbildprägende Lindenallee wieder in einen guten Zustand versetzen konnten.

Es wurde so vieles in den vergangenen Jahren erreicht, manches ist längst zur Selbstverständlichkeit geworden“, findet Peter Holm. Er denkt an den Ausbau der Bahnstrecke, an die vielen Obstbaumplantagen in der Umgebung, an neue Straßen und Wege, an eine gelungene Lückenbebauung…

Wer die Kirche im Dorf lässt, kann eine Menge erreichen.