An die Höhepunkte der Vergangenheit anknüpfen

Potenzial für Neustart bei gemeindlichen Aktivitäten ist gegeben

Die Gemeinde Kirch Jesar, mehrfach als schönstes Dorf im gleichnamigen Wettbewerb vertreten, hat in der Vergangenheit reichlich Schlagzeilen gemacht. Riesige Erntefeiern mit kunstvoll gebundenen Kronen und festlich geschmückten Umzugswagen, dessen Konvoi fast durch das ganze langgestreckte Dorf reichte, lockten Zuschauer aus der ganzen Region. Politische Prominenz gesellte sich gern dazu, wenn das Dorf zum Feiern einlud. Sogar das Landeserntedankfest wurde hier ausgerichtet. „Da war mächtig was los“, erinnert sich der ehemalige Bürgermeister Harald Seyring.

Vor allem den Aktivitäten des Dorfclubs und seinem Amtsvorgänger Bernhard Ritzmann sei dies zu verdanken. Mittlerweile hat Kirch Jesar jedoch einen Gang runtergeschaltet. Gefeiert werde immer noch, aber in deutlich kleinerem Rahmen. „Es fehlt an Leuten, die genug Zeit aufbringen können, um die Dinge in die Hand zu nehmen. Es gebe durchaus welche unter den 650 Einwohnern, die Potenziale schlummern. Es ist, als müssten wir aus einem Dornröschenschlaf geweckt werden“, meint der ehemalige Bürgermeister.

Ähnlich verhalte es sich auch mit dem großen Sportplatz, der Anfang der 90er Jahre gebaut worden ist. „Was nützt eine solche Anlage, wenn niemand da ist, der als Übungsleiter das Training betreut?“ fragt er und weiß, dass viele Mitbürger diese Entwicklung ebenfalls mit Wehmut sehen, aber man kann das Engagement nicht erzwingen. „Das braucht vielleicht einfach nur ein bisschen Zeit bis zu einem Neuanfang“, hofft Harald Seyring.

Die Gemeinde, zu der der sehr ansehnliche Ortsteil Neu Klüß gehört, ist nach der Wende regelrecht aufgeblüht. Alle Arten von neuen Leitungen kamen in den Boden, Straßen und Wege wurden saniert. Krippe und Kindergarten wurden attraktiv hergerichtet, die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr bekamen ein neues Domizil gleich nebenan. Über alle Maßen prägend präsentiert sich das Gemeinschaftshaus – es ist Treffpunkt für Kommunalpolitiker, Vereine und kirchliche Aktivitäten.

Der Friedhof verfügt über eine würdevolle Trauerhalle. „Es wurde eine Menge Geld investiert“, kann Seyring konstatieren. Heute bereiten allerdings auch diese notwendigen wie sinnvollen Ausgaben einige Probleme. Die neue Form der Haushaltsführung nach den Grundsätzen der Doppik sorgt dafür, dass nur noch wenig Mittel zur Verfügung stehen. Das geänderte Haushaltsrecht verlange den ehrenamtlich tätigen Gemeindevertretern ein großes Maß an Aufmerksamkeit ab, um Vorschriften, Erfordernisse und Bedürfnisse der Kommune unter einen Hut zu bekommen, meint Harald Seyring. Vielleicht ist auch das ein Grund, warum manches heutzutage eher etwas sparsamer ausfällt…

Ganz und gar nicht gespart wird bei der Betreuung der Jüngsten im Dorf. „Wir wollen unserer Verantwortung gerecht werden und attraktive Angebote auch für junge Familien vorhalten. Die Sanierung der Kindereinrichtung war dabei nur ein wichtiger Schritt“, sagt der ehemalige Bürgermeister. Ein anderer war die Übergabe der fachlichen Kompetenz in erfahrene Hände. Mit dem Deutschen Roten Kreuz ist in Kirch Jesar ein freier Träger für die Betreuung der Kinder zuständig. „Wir sind mit dem DRK freundschaftlich verbunden und sehen, dass diese Entscheidung sich positiv auf die Gemeindeentwicklung ausgewirkt hat“, freut sich Seyring.