Aus der Geschichte von Kirch Jesar

1371 Schriftliche Ersterwähnung „Kerkleen Hagenow und Yheser", 24. August. MUB 10 233
1496  „Jesar" 40 Personen ab erreichtem 15. Lebensjahr, Kaiserbede-Register. Fr. Stuhr, Jhb. 1893
1583 Karl-Heinz Steinbruch in SVZ vom 6.9.1996: „Eine Capel im Dorf Jesar bei Hagenow.
Diese Capel stehet mitten im Dorffe auf einem freien Platze, ist von Steinen in Holz gemauert, ... und ringsumher mit höltzern schranken befriediget. Sie ist aber sehr baufehlig an Wenden und Dache, und bedarf guter Besserung, wo die nicht bald erfolget, ist zu besorgen, sie werde in wenigen Jaren in Hauffen fallen."
1646 Werner Zühlsdorff: „Am Ende des Dreißigjährigen Krieges waren von den einst 17 Gehöften Kirch Jesars noch 3 Bauernhöfe und 2 Kossatenstellen von Angehörigen eingesessener Familien bewohnt (KA Warsow)."
1704 Werner Zühlsdorff: „Zu Beginn des 18. Jahrhunderts bestand das Dorf aus 10 Bauern- und 3 Kossatenstellen (1704 BK, 1705 KA Warsow)."
1705 Friedrich Schlie: „Die heutige Kirche aber ist ein Bau des Herzogl. Mecklenb. Hofmarschalls Joh. Christoph von Halberstadt, dem in der ersten Hälfte des vorigen Jahr¬hunderts das fast 3 km von Jesar entfernte Sudenhof gehört, dessen Feldmark, nach Angabe des Warsower Kirchenvisitationsprotokolls von 1705, um mehrere Hufen aus dem 'Jesaser Felde' vergrößert worden war."
1717 Tafelinschrift Kirche: „In dem Lutherischen Jubeljahr 1717 hat Gott zu Ehren diese Kapelle wieder aufbauen lassen: Der Fürstl. Mecklenb. Hofmarschall und Oberamtshaupt-mann Herr Johann Christoph von Halberstadt."
  Friedrich Schlie: „Schöner Renaissance-Kelch mit guter Treibarbeit. Auf der Unterseite des Fußes die Widmung: J•C•V•H• 1717."
  Als "der alhiesige Kirch- und Schulbediente" wird Johann Georg Michael Henckell in der Dorfchronik erwähnt. 1756 verordnete der Landesherr allgemeine Schulpflicht. Kirch Jesar war also schon zeitig dabei.
1760 Werner Zühlsdorff: „Als sich um 1760 die ersten 6 Büd¬ner ortsansässig machten, wies die Ortschaft mit den schon vorhandenen 20 Hauswirten (18 Halb- und 2 Vier¬telhüfner) einen für die damalige Zeit stattlichen Umfang auf (1766 RA), der sich in der Folge durch die Einrichtung von 7 weiteren Büdnereien noch vergrößerte (1793 Martiniliste Warsow)."
1774 Bau des Schulhauses: Jahreszahl an der „oberen großen Türschwelle" (Chronik).
1778 Hans Angerstein, SVZ 8.4.1982: Hans Nicolaus Brunow tritt den Dienst als Kapellenküster und Lehrer an.
1781 Ab jetzt bildet er Lehrer aus, bis der Landesherr im Jahr danach ein „immerwährendes Seminarium" einrichten läßt. H. N. Brunow starb 1806/1807 und wurde feierlich vor dem Altar der Kirche beigesetzt.
1787 Pachtvertrag vom Landesherrn (Chronik):
„Wir versichern nämlich,
1. daß die gesammte 18 Halbhüfener und 2 Koßaten, namentlich der Schulze Busecke, und die Hauswirthe Friedrich Kludas, Johann Lau, Hans Hinrich Lau, Joachim Hinrich Lau, Barthel Jochim Dahe, Hinrich Lau, Christoph Fentzahn, Peter Grothkopp, Jochim Friedrich Lau, Barthel Jochim Groth, Jochim Hin¬rich Dechow, Hans Jochim Bunners, Johann Barner, Friedrich Pohse, Jochim Bachmann, Jochim Fentzahn, Friedrich Schomann, Jochim Lau, Stoffer Busecke, für sich und ihre Erben die Feldmark Jesar mit Pacht-Contract für die Hauswirthe zu Jesar auf 24 Jahre, nämlich von Johannis 1787 bis dahin 1811 mit allen dazu gehörenden Aeckern, Wiesen, Weiden, Wohrten und Gärten, mit der wüsten Hufe, auch Fischerey nach der bisherigen Observance ... zu genießen haben, und ... bey diesem Besitz und Gemeinsbrauch allewege geschützet werden sollen. ..."
1788 Die Büdner beschweren sich am 12. April beim Landesherrn, die Hauswirte gestatteten ihnen nicht mehr Dünger von den Feldern zu sammeln, den sie dringend für ihre drei Scheffel Saat-Land und ihren kleinen Garten benötigen. Die Regierung weist die Hauswirte zurecht (Chronik).
1812 Auch aus Kirch Jesar müssen junge Männer Napoleons Rußlandfeldzug mitmachen. Johann Heinrich Feiten, Johann Lübbe und Johann Fentzahn kommen nicht wieder (Chronik).
1813 Deutsche Truppen lagern und wüsten 48 Stunden in Kirch Jesar (Chronik).
  Am 25. August Lützower Reiter in Kirch Jesar. „Im Hause des Küsters spielt Theodor Körner auf dem Spinett seinen Freunden sein Schwertlied vor, dessen Schlußver ser erst am Morgen gedichtet hat. Dieses Lehrerhaus in dem erstmalig das Schwertlied erklang, war das alte Schulgebäude...“
  Ebenfalls in diesem Jahr fand in der Kirche eine 1813-Gedächtnisfeier statt. Bei dieser Gelegenheit wurde auf dem Platz bei der Kirche, wo früher das alte Schulhaus stand, eine Körner-Eiche gepflanzt. Sie ist nicht angewachsen. Dort wurde 1920 ein Kriegerdenkmal errichtet (Chronik).
1819 Volkszählung:
18 Halbhüfner, 14 Büdner, 44 Einlieger. Mit Klüßer Mühle, Klüßer Krug insgesamt 78 Familien, 417 Personen, 34 Wohngebäude. Die Hüfner zählen, mit Gesinde, 155 Personen. In Büdnerkaten wohnen 13 Familien mit 66 Personen. Die Einlieger zählen 44 Familien mit 170 Personen. Die restlichen Einwohner verteilen sich auf Mühle und Krug (Chronik).
1827 Neugestaltung der Feldmark
„18 Hauswirte erhalten Gärten und Wiesen in der Nähe des Dorfes, nicht wie bisher auf der Feldmark verstreut. Größe des Ackers für die Hauswirte 19.800 Quadratruten = ca. 43 ha. 54 Koppeln für 18 Hauswirthe - außerdem 'Communion Acker' und 'Communion Wiesen'. 'Jeder der 54 Koppeln der Hauswirthe ist mit einem Kegelgraben zu befrieden... Communion Weide von der Neu Zachuner Scheide und dem neuen Vietzer Weg ca. 150.000 Quadratruten = 325 ha."
  Ein gerader Weg nach Moraas wird vorgeschrieben. Der Frachtweg von Neustadt nach Hagenow wird verlegt und gerade gemacht, ebenso der Weg von Kirch Jesar nach Schwerin und der Weg von Neu Zachun nach Klüßer Mühle.
  „10 neue Büdnereien werden vermessen, am Weg von Kirch Jesar nach Klüßer Mühle bis zur Hoorter und Neu Zachuner Grenze. (Klüßer Krug wird nicht genannt, lag jenseits des Baches, der Weg zur Mühle ging diesseits des Baches.)
  Die Hoorter Büdner erhalten Wiesen. Die beiden Schulkompetenzen werden hinter dem See am Weg nach Hagenow abgemessen, jede 2.600 Quadratruten groß = 5,6 ha. 'Der Haus- und Hofplatz für den zweiten Lehrer ist an einem paßlichen Orte im Dorfe selbst abzumessen' (früheres Schulgehöft!).
Die Einliegergärten a Stück 100 Quadratruten anschlie­ßend an die Schulkompetenzen.' ..." (Chronik)
1847 Die Kirche bekommt einen Turm.
  1. Mai. Eröffnung der Eisenbahnstrecke Schwerin - Hagenow. Ab 1. Juni 1878 der „Anhalt" Kirch Jesar in Betrieb (Chronik).
1863 Martini. 564 Einwohner, davon unter 5 Jahren 34 Jungen und 35 Mädchen, von 5 bis 14 Jahre 59 Jungen und 67 Mädchen, über 14 Jahre 188 Männer und 181 Frauen. Der Viehbesatz: 93 Pferde, 381 Kühe, 300 Landschafe, 243 Schweine und 1 Ziege.
Handwerker: 1 Schneider, 1 Tischler, 1 Weber. (Beiträge zur Statistik Mecklenburgs, 1865)
1874 „Die als Hilfsprediger bzw. Pastoren wirkenden Pastoren wohnten 1851 im alten Schulhaus. Die Pfarre wurde im Jahre 1874 neu eingerichtet. Auf der ehemals Kähler - Lau'schen Erbpachtstelle entstand das jetzige Pfarrhaus. Auch die Ländereien der gelegten Hufe wurden dazugetan. Pastor Willers durfte als erster das neue Pfarrhaus beziehen. Er war auch der Initiator der Bepflanzung der Dorfstraße mit Eichen, Linden und Kastanien." (Chronik)
1877 wird von der Industrieschule in Kirch Jesar gesprochen. Es handelte sich um Handarbeitsunterricht für Mädchen.
1881 „Der Hagenower Orgelbauer Johann Heinrich Runge liefert 1881 eine Orgel für die Westempore, weil man 1878 feststellte, daß die 1824 für alt gekaufte Orgel sehr reparaturbedürftig ist und die hölzernen Pfeifen vom Wurm zerfressen sind. Um für dieOrgel die nötige Höhe zu bekommen, mußte die Empore um 40 cm gesenkt werden. Der Rahmen der Orgel ist aus Fichtenholz gefertigt und durch farblich abgesetzte Tischlergotik verziert." (Chronik)
  Am 28. November 1881 wurde im Schulzenhaus in Gegenwart sämtlicher Erbpächter eine neue Sitzplatzverteilung in der Kirche beschlossen. (Chronik)
1918 Im 1. Weltkrieg hatte Kirch Jesar 'Kaiser und Reich' 32 Männer zu opfern:
W. Gätke, E. Barner, E. Ridder, K. Schomann, J. Möller, Ridder, E. Ohlhorn, G. Bunners, F. Fick, P. Meyer, F. Zengel, K. Stöhlmacher, J. Ridder, E. Baars, E. Hübener, E. Zengel, K. Schuldt, F. Rose, K. Radatz, Zengel, F. Ridder, J. Fentzahn, F. Schomann, E. Schomann, E. Rose, J. Schlie, P. Lüth, E. Voy, Schomann, K. Schomann, H. Lau, F. Cornel
1943 „Die ersten Flüchtlinge kamen aus Hamburg. Sie hatten Hab und Gut bei den Bombenangriffen verloren und versuchten bei ihren Verwandten unterzukommen." (Chronik)
1944 „Im Winter 1944/45 kamen die Flüchtlinge aus Ostpreußen, Hinterpommern und Schlesien. Sie kamen mit Zügen und wurden mit Pferdegespannen abgeholt und auf ihre Quartiere in Kirch Jesar, Neu Klüß und Moraas verteilt. Später kamen noch Trecks, mit Pferden bespannte Planwagen, vorwiegend aus Schlesien und der Tschechoslowakei. Aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten Vertriebene kamen noch 1946 und später." (Chronik)
1945 Im Frühjahr 1945 wurden deutsche Infanterie-Einheiten, überwiegend in den Scheunen und auf den Heuböden in Kirch Jesar und Neu Klüß untergebracht. In den letzten Apriltagen war aber in Kirch Jesar und Umgebung kein deutscher Soldat mehr anzutreffen.
  Am Vormittag des 2. Mai 1945 kam die Kunde, der Amerikaner ist schon in Hagenow. Neugierig und erwartungsvoll standen die meisten Einwohner vor den Häusern oder Hoftoren und blickten in Richtung Hagenow. Endlich rückten die amerikanischen Soldaten an. Erst kam eine Schützenkette, dann folgten Jeep's mit aufgebauten schweren MG und später Kettenfahrzeuge mit Flakgeschützen. Nachdem die Amerikaner sämtliche Gebäude durchsucht und keine deutschen Wehrmachtsangehörigen gefunden hatten, zogen sie weiter in Richtung Kraak. Es war kein Schuß gefallen." (Chronik)
1947 „Nach der Befreiung 1945 durch die Rote Armee gehörte das Land der Rittergutsbesitzer den Arbeiter und Bauern. Es wurde im Zuge der Bodenreform an landarme Büdner und Häusler verteilt. Für die Kirch Jesarsche Bevölkerung kam das Gut Sudenhof in Frage und zwar die Flächen Rieskamp, Nachtkoppel und die diesseits der Bahnlinie gelegenen Rieselwiesen. Es war also das Gebiet des Gutes Sudenhof zwischen dem Schwarzbach (Zwartbäck), der Bahn, der Sude, dem Triftweg in Richtung Nachtkoppel und die Grenze der Nachtkoppel selbst. Jeder Einwohner, der gewillt war seine Wirtschaft weiter zu führen, wurde berücksichtigt. Die Verteilung der Flächen erfolgte im Jahre 1947. Viele Häusler machten davon Gebrauch. Sie hatten gute Ernteerfolge. Man behauptete, auf der Nachtkoppel sei der Hafer um das Doppelte ertragreicher." (Festschrift 600-Jahr-Feier)
1952 „Nachdem in den Jahren nach 1950 einige Bauern Haus, Wirtschaft, Vieh verlassen hatten, mußten diese Höfe freilich weiter in Gang gehalten werden. Also kam es 1952 zur Gründung einer ÖLB in unserer Gemeinde. Ihr schlossen sich einige Einzelbauern an. Max Seidlitz leitete." (Chronik)
1956 „Bereits im Jahre 1956 wurde dann die erste LPG, und zwar Typ III, gegründet. Name 'Freie Erde', Vorsitzender Fritz Lüthke. Die LPG nahm alle Mitglieder des ÖLB auf. Und Neuzugänge gab es auch. Aber noch nicht waren alle Einzelbauern und Büdner in einer LPG vereinigt. Im Jahre 1958 entschloß sich dann der Rest der Bauern in der LPG 'Goldener Stern', ebenfalls Typ III, gemeinschaftlich zu wirtschaften. Vorsitzender Werner Kunrede." (Chronik)
1960 „Nun hatte das relativ kleine Dorf Kirch Jesar zwei LPG. Aber das war noch nicht genug. In Neu Klüß setzte man sich zusammen und gründete 1960 die LPG 'Waldfrieden' Typ III mit Ernst Rieckhoff als Vorsitzenden. ... Aus Einsicht der Mitglieder der drei LPG kam es zum Zusammenschluß. So entstand am 1.4.1960 die heute noch bestehende LPG 'Einheit'. Als Vorsitzender fungierte bis zu seinem folgenschweren Unfall Werner Kunrede. Im August 1961 übernahm, einstimmig von den Mitgliedern gewählt, der Kollege Friedrich Schomann die Leitung. Er führte die Genossenschaft, die von Jahr zu Jahr wuchs und auch ständig reicher wurde, bis zum Jahre 1970." (Chronik)
1962 „Ein Segen für die Einwohner von Kirch Jesar, Moraas und Strohkirchen war es, als die Kreisstraße von Hagenow nach Strohkirchen von 1962 bis 1967 gebaut wurde. Damit entstand die erste befestigte Straße." (Chronik)
1967 Die Orgel wurde repariert. Spenden gingen ein, 1.000 Mark. (Chronik)
1969 Wegen orkanartigem Schneetreiben Katastrophenalarm
1971 600-Jahr-Feier
1972 Der Dorfkonsum wird zur Selbstbedienung eingerichtet. (Chronik)
1973 Beendigung des Baues der zentralen Wasserleitung.
  Die LPG in Kirch Jesar, Moraas, Picher, Strohkirchen, Kuhstorf und Bresegard bilden eine Kooperation.
  August. Eine Lok versprüht Funken. Infolge bereits lange anhaltender Trockenheit steht bald ein 4 hagroßes Waldstück an der Strecke Kirch Jesar - Zachun in Flammen. Sowjetische Panzersoldaten und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr aus Kirch Jesar sehen das.
„Ohne auf ein Kommando zu warten, lenken die Soldaten zwei Panzer zum Brandort. Nachdem sie sich überzeugt haben, daß sich kein Feuerwehrmann in dem brennenden Wald befindet, fahren sie in das Feuermeer. Die brennenden Kiefern werden niedergewalzt. Aber länger als zehn Minuten kann ein Panzer dem Inferno nicht begegnen, denn der Qualm macht das Atmen schwer. Also wechseln sich die beiden Panzer ab. Und Wasser aus dem Feuerwehrschlauch erfrischt.
So wurde unter höchstem Einsatz über eine Stunde lang gegen die Flammen gekämpft. Dann war der Brand unter Kontrolle." Vor versammeltem Bataillon wurden die zwei Panzerbesatzungen geehrt. Und der Kommandeur verspricht der kleinen deutschen Delegation „stets und immer als gute Freunde wachsam, immer einsatzbereit zu sein" (SVZ 22.8.1973).
  Die zentrale Wasserleitung nimmt ihren Betrieb auf.
  Die Kindergartengeschichte unseres Dorfes beginnt Anfang der 50er Jahre. Bürgermeister Blaffert (1958 - 1958) bemühte sich um die Kinderbetreuung. Er ging in die Elternhäuser und fragte nach, ob die Eltern ihre kleinen Kinder in die Krippe bringen würden. Ab dem 3. Lebensjahr war für die Eltern eine Betreuung in Ordnung, aber unter drei Jahren war Neuland für sie. Es fanden sich aber genug Eltern, die ihre Kinder bringen wollten. Und so begann man mit den einfachsten Mitteln. Vieles wurde selbst gezimmert, alles irgendwie improvisiert.
An einem nicht mehr bekannten Ort wurde eine Baracke abgerissen und bei uns wieder aufgebaut, als Kinderkrippe genutzt. Das war die sogenannte 'grüne Baracke'. Sie stand auf dem heutigen Grundstück der Familie Hinze.
  Der Geburtsort des Kindergartens liegt auf dem Grundstück der Familie Gertrud Wehrmann. An diesem Hause gab es einen Anbau. Darin war bis 1945 eine staatliche Seifenfabrik untergebracht. Nach dem Krieg wurden dort etwa einhundert schlesische Flüchtlinge einquartiert. Einige kamen später im Dorf zu einem Haus, dabei auch Frau Wiesner, die bald die Kinderkrippe leitete. Nachdem die Gemeinde -mit Fördermitteln- gekauft hatte, konnte ab 1952 mit der Kinderbetreuung ab 3. Lebensjahr begonnen werden.
Infolge Schwammbefalls mußte 1971 ausgezogen werden. Nun wurde das Strohdachhaus der Familie Kunrede genutzt. Anfang der 70er Jahre entschloß sich die Gemeinde einen Kindergarten zu bauen. Nach Feierabend und an den Wochenenden wurde gewerkt. Bürgermeister Graeme spornte immer wieder an. Und unser Ort lag strategisch günstig zur damaligen Kaserne der sowjetischen Armee, so daß auch von dort Soldaten und Offiziere als Helfer kamen. Viele Geschichten ranken sich um Speck, Brot und Wodka aus großen Gläsern. Die Männer haben oft bis spät in die Nacht hinein gearbeitet. Am 15. August 1973 war es dann endlich so weit und die Kinder konnten in ihren neuen Kindergarten einziehen." (Chronik)
1976 Kirch Jesar erhält eine neue Straßenbeleuchtung. (Chronik)
  Auf dem Friedhof wird eine Trauerhalle gebaut. (Chronik)
  „1969 wurde der Mehrstufenunterricht abgeschafft. Die Schulen Kirch Jesar, Moraas und Strohkirchen wurden zusammengelegt. ... Meine Schulen später aufgelöst. Und alle Kinder aus Kirch Jesar gingen ab 1. September 1976 in Hagenower Schulen." (Chronik)
1978 150-Jahr-Feier in Neu Klüß.
1988 Neu Klüß hat 68, Kirch Jesar 405 Einwohner. Die Gesamtfläche beträgt 1894 ha. Davon sind 888 ha Wald, 530 ha Ackerland, 297 ha Grünland, 25 ha Garten, 33 ha Wasserfläche, 34 ha bebaute Fläche, 69 ha Wege und 18 ha Unland. (Flächennutzungsplan)
1990 15. Februar. „Im Februar 1982 wird Evelin Schulz als Bürgermeisterin gewählt. Sie ist Forstingeneurin, noch sehr jung und hat zwei kleine Kinder. Sie bekleidet diese Bürgermeisterstelle bis zu ihrem Rücktritt im Dezember 1989. Damit endet die Zeit der hauptamtlichen Bürgermeister in Kirch Jesar von 1950 an. Ab 15. Februar 1990 ist Bernhard Ritzmann als ehrenamtlicher Bürgermeister tätig, gewählt von der noch existierenden Gemeindevertretung." (Chronik)
  18. März. Volkswahlen, Wahlergebnis:
CDU 186 Stimmen, 58,68%. SPD 64 Stimmen, 20,19%. PDS 28 Stimmen, 8,83 %. DBD 20 Stimmen, 6,31%. Demokraten 7 Stimmen, 2,21%. Bündnis 90 6 Stimmen, 1,89%. DSU 3 Stimmen, 0,95%. NDPD 2 Stimmen, 0,62%. Grüne 1 Stimme, 0,31%.
Wahlbeteiligung 92,24 Prozent. (Chronik)
  6. Mai. Erste demokratische Gemeindewahlen im vereinten Deutschland
Gewählte Bürger:
CDU = Ritzmann, Bernhard; Peters, Joachim; Prüß, Karl-Heinz; Zengel, Brunhilde; Timm, Vera; Ihde, Gabriele; Grothkopp, Ilse; Nitschke, Eckard; Lichtenauer, Michael.
SPD = Groth, Hans-Jürgen; Flöter, Margret.
Bauernverband = Mentzel, Otto.
PDS = Hilgenböker, Wolfgang.
1991 Neu Klüß und der Bahnhof werden an die zentrale Wasserleitung angeschlossen.
  26. September. 20 Bürgermeister bekräftigen mit Unterschrift und Gemeindesiegel eine Verwaltungsgemeinschaft mit Sitz in Hagenow. Es sind die Dörfer: lt Zachun, Bandenitz, Belsch, Bobzin, Bresegard, Gammelin, Groß Krams, Hoort, Hülseburg, Kirch Jesar, Kuhstorf, Moraas, Pätow Steegen, Picher, Pritzier, Redefin, Setzin, Strohkirchen, Toddin, Warlitz.
1992 Jeder Haushalt in Kirch Jesar erhält Telefonanschluß.
  Kirch Jesar erhält 30.000 Mark Sonderbedarfsmittel zum Bau des Gehweges in der Eichenallee.
1993 Modernisierung des 18-WE-Neubaublocks
1995 Abwasserentsorgung nach Hagenow, Gasversorgung der Gemeinde durch die Stadtwerke Hagenow.
1996 Modernisierung der Kindertagesstätte, Bau des Feuerwehrtraktes, Befestigung der Poststraße, neue Bushaltestelle, Gründung des Dorfvereins.
  Bevölkerungsentwicklung: 30.6.1990 - 441, 30.6.1991 - 448, 31.12.1993 - 480, 31.12.1994 - 509, 31.12.1995 - 525, 30.6.1996 - 563 Einwohner.
  30.8 bis 1.9. 625-Jahr-Feier.
Festsitzung am 30.8., 19.30 Uhr im Festzelt. Übergabe des neuen Gemeindewappens durch den Innenminister Rudi Geil.
Der Sonnabend beginnt um 10.00 Uhr mit Belustigungen für die Kinder, bei dem das Aalgreifen nicht fehlen darf.
Um 13.00 Uhr dann der große Umzug. Danach ist an die Rentner gedacht: Kaffeetrinken, Gesang des Hagenower Postchores.
18.00 Uhr Goldene Konfirmation und großes Kirchenkonzert.
Ab 21.00 Uhr Tanz in zwei Zelten. Am Sonntag der obligatorische Frühschoppen. Die Boizenburger Blaskapelle spielt auf.
Ab 20.00 Uhr Tanz der älteren Herrschaften. Abschluß 22.00 Uhr mit buntem Feuerwerk.

Das Fest kostete die Gemeinde 6.789,61 DM, bringt jedoch 7.324,50 DM ein. (Prüfungsbericht 1996)

2002 Beginn des Umbaus des alten Pfarrhauses in ein Zentrum zur gemeinsamen Nutzung als Winterkirche und Gemeindehaus
2004 Landeserntedankfest von Mecklenburg-Vorpommern  in Kirch Jesar mit ca. 15000 Besuchern. Die Orgel in der Kirche erhält zu diesem Anlass ein elektrisches Gebläse.
2012 Eine Windhose Ende Juni wütet durch das Dorf. Am stärksten betroffen sind die Theodor-Körner-Straße und Teile der Eichenallee.
2017 Die Freiwillige Feuerwehr begeht ihr 80jähriges Bestehen und das Kirchengebäude besteht in der Form seit 300 Jahren. Die Jubiläen werden bei einem Dorffest gefeiert.