Spiel, Satz und Sieg!

Wie Ackerland und kleine weiße Bälle einer Gemeinde zu Erfolg und Ansehen verhelfen

Eigentlich ist Groß Krams ein ganz typisches Dorf in der Griesen Gegend. „Ein Bauerndorf, das in den alten Strukturen erhalten geblieben ist“, sagte der ehemalige Bürgermeister Rudolf Gotham (†). „Viele besitzen große Häuser und noch größere Grundstücke. Immerhin 19 Bauern und 19 Büdner haben hier vor der Zwangskollektivierung gewirtschaftet. Doch die Nutzung hat sich immens verändert – in Scheunen und Ställen wird nicht mehr produziert.“ Ein großer Wandel sei eingetreten. Junge Menschen ziehen fort, dorthin, wo es mehr Arbeit gibt. Dabei geht es der zweitkleinsten Gemeinde im Amt gar nicht schlecht: Vier Unternehmen sind in der Landwirtschaft tätig, einige Handwerksbetriebe haben sich angesiedelt, sogar ein Autohaus findet sich.

„Das größte Vermögen ist jedoch das gemeindeeigene Ackerland“ sagte Rudolf Gotham, er war selbst Landwirt im Nebenerwerb. Durch die Verpachtung von 110 Hektar Ackerland verfüge die kleine Gemeinde über beachtliche Einnahmen, die für eine solide finanzielle Basis sorgen. So konnte in Groß  Krams die alte Schule zum Gemeindehaus umgebaut werden. Der Sanierung vorangegangen war jedoch eine bemerkenswerte juristische Auseinandersetzung. „Die Gemeinde musste das Gebäude zurückkaufen, weil man nach der Wende festgestellt hatte, dass sich ein Teil in privatem Besitz befand“, erinnerte sich der ehemalige Bürgermeister.

Vor 130 Jahren war nach einem Dorfbrand ein Tauschvertrag aufgesetzt worden, der aber keine Erwähnung im Grundbuch fand. So galten die alten Grenzen und eine verlief durch das alte Schulhaus…

Die Gemeinde musste im Rahmen eines Vergleiches zahlen, bevor sie umbauen und 2011 das liebevoll wiederhergestellte Kleinod allen Einwohnern zugänglich machen konnte. Attraktive, barrierefreie Räumlichkeiten bieten Platz für die Jugendlichen und ihren Club, für private Feiern mit bis zu 100 Personen und für eine Institution, die in der 200 Einwohner zählenden Gemeinde etwas wirklich Besonderes darstellt, denn in Groß Krams fliegen die Bälle. Die kleinen weißen. Im Einzel oder im Doppel…

„Im Jahr 1976 wurde unser Sportverein gegründet. Mit einer Sektion: Tischtennis. Seither sind sportlich Aktive aus dem TTSV Groß Krams erfolgreich und ununterbrochen im Punktspielbetrieb vertreten. Bis auf Landesebene haben wir es geschafft“, sagte Rudolf Gotham, der, man ahnt es schon, auch regelmäßig die Kelle in die Hand nahm. „Bis zu vier Platten können gleichzeitig bespielt werden. Die Trainings- und Wettkampfbedingungen haben sich für die 20 Freizeitsportler damit erheblich verbessert“, schätzte Gotham ein.

Sehr gute Voraussetzungen hat die Gemeinde auch für ihre Freiwillige Feuerwehr geschaffen. Der Ausbau einer Scheune bietet den Raum für zwei Fahrzeuge und die technische Ausrüstung der 15 aktiven Kameraden. Die Feuerwehr ist zudem ein echter Kulturträger im Dorf. Man darf die vielen Aktivitäten nicht unterschätzen. Sie tragen erheblich zum Zusammenhalt in der Gemeinde bei. Diesen Zusammenhalt wünschte sich Rudolf Gotham auch mit Blick auf künftige Energiekonzepte in der Region. Biogasanlagen würden der Gemeinde derzeit durchaus lukrative Einnahmen bescheren. Die Nutzung von Windkraft wäre perspektivisch eine weitere Option, um nachhaltig das größte Vermögen der Gemeinde zu nutzen: das Ackerland.